15. April 2015

Was das Blut über uns erzählt

Blutwerte verraten Überraschendes über unsere Verhaltenstendenzen und unsere Gesundheitsrisiken

Eigentlich kam Torsten G. mit einem Hexenschuss in die Praxis von Alfredo Dumitrescu. Am Vortag war es ihm regelrecht in den Rücken gefahren, seitdem konnte er sich nicht mehr rühren und jeder Schritt wurde zur Qual. Das war nicht auszuhalten! Dumitrescu, Arzt für ganzheitliche Medizin in Hennef, verschaffte ihm schnell Linderung. Doch dann staunte Torsten G. nicht schlecht. Denn statt zu fragen, was passiert sei, wollte der Arzt wissen: „Na, wer hat Sie denn geärgert?“ „Woher wissen Sie das?“, wunderte sich Torsten G. und erzählte dann von seinem Nachbarn, mit dem es gerade heftig Streit gebe und der ihm erst gestern wieder eine heftige Beschimpfung über den Gartenzaun geschickt hatte. „Aber vom Ärger bekommt man doch keinen Hexenschuss!“, vergewisserte sich Torsten G.

Dumitrescus hellseherischen Fähigkeiten erklären sich ganz einfach aus dem Blutbild von Torsten G., das aus einer erst vor kurzem durchgeführten Untersuchung vorlag. „Wir haben Normwerte für die einzelnen Bestandteile des Blutes, die uns über die Verfassung der Patienten Auskunft geben. Liegen die im Labor ermittelten Werte außerhalb dieser Norm, haben wir es mit einem Krankheitsbild zu tun. Doch auch innerhalb des Normbereichs verrät uns das Blut viel über den Patienten. Das hilft mir bei meiner täglichen Arbeit sehr,“ erklärt der Arzt. „Es gibt die Optimalwerte, wo alles in bester Ordnung ist, und definierte Grenzwerte, wo eine krankhafte Entwicklung vorliegt. Doch dazwischen liegt ein Bereich, der in der Schulmedizin keine Rolle spielt, der aber dennoch für das Wohlbefinden und die dauerhafte Gesundheit der Patienten entscheidend ist. Hier liegt für mich ganz oft der Schlüssel zur Heilung, weil ich die Sprache des Körpers zu lesen weiß.“

Dumitrescu veranschaulicht dies am Beispiel der Thrombozyten, auch Blutplättchen genannt. Sie sind im Körper für die Blutgerinnung zuständig und sollen uns vor dem Verbluten schützen, haben also eine Schutzfunktion. „Eine Erhöhung der Thrombozyten liegt häufig dann vor, wenn Menschen etwas sehr Schlimmes erlebt haben. Um sich zu schützen, fährt der Körper die Thrombozytenproduktion hoch und errichtet damit sozusagen eine Mauer um sich herum“, schildert der Arzt die Zusammenhänge  und ergänzt: „In der ganzen Hektik vergisst er nur, sich eine Tür in die Mauer einzubauen, damit er später auch wieder herauskommt.“ Der Körper schafft es auf diese Weise, die belastende Situation zu neutralisieren und das Erlebte hinter die Mauer zurück zu drängen. Dies gelingt meist so gut, dass das Erlebte völlig aus dem Bewusstsein gelöscht wird und der Patient keine Erinnerung mehr daran hat. Nur die erhöhten Thrombozyten verweisen noch darauf.

Dumitrescu erzählt von einem Patienten, der mit einer Krebsdiagnose aufgrund krankhaft erhöhter Thrombozyten in seine Praxis kam. Die Kollegen aus der Onkologie waren bereits eingeschaltet und eine Chemotherapie angesetzt. Im Rahmen der Therapie in der Praxis für ganzheitliche Medizin hörten die Werte zunächst auf zu steigen. Daraufhin wurde beschlossen, mit der Chemotherapie noch zu warten. Dann begannen die Thrombozyten-Werte zu fallen. Ohne sich an ein konkretes traumatisches Ereignis erinnern zu können, erlebte der Patient dank der Begleitung durch Alfredo Dumitrescu auf psychischer Ebene einen Durchbruch und konnte endgültig medikamentös eingestellt werden. Heute sind seine Werte fast im Normbereich.

Im Fall von Torsten G. waren die Thrombozyten dagegen abgesenkt, wenn auch noch oberhalb des Grenzwertes. Analog zum oben Geschilderten war daraus zu schließen, dass der Patient dem Leben quasi schutzlos ausgeliefert war. „Energetisch gesehen zieht so ein Mensch viel seelischen Müll an und nimmt ihn ungefiltert in sich auf, weil er keinen Schutz hat. Sehr häufig sind Erkrankungen die Folge. Gibt es also Streit mit dem Nachbarn und gar heftige Beschimpfungen – früher hätte man von einem Fluch gesprochen –, dann kommt ein Hexenschuss nicht überraschend“, bestätigt Dumitrescu.

„Eine Blutanalyse gibt immer eine Momentaufnahme wieder,“ erklärt der Arzt. „Dennoch können wir aus dem Blut Verhaltenstendenzen ablesen, die uns wiederum frühzeitig vor Krankheiten oder Überforderung warnen.“ Beispielsweise gibt Cholinesterase, ein Enzym, das in der Leber gebildet wird, Auskunft darüber, wie zuverlässig die Leber arbeitet. Ist der Wert hier erhöht, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen Menschen handelt, der schlecht nein sagen kann oder gestresst ist. Oft sind es Manager, Werbefachleute oder der berühmte Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Ist der Wert jedoch erniedrigt, hat man es häufig mit Menschen zu tun, die Schwierigkeiten haben, sich auf neue Situationen einzustellen. Sie gehen die Dinge gemächlich und gründlich an und sind vom Typ her eher Buchhalter.

Beispiele für die Informationen aus den Blutwerten gibt es viele. Alfredo Dumitrescu macht immer wieder die Erfahrung, dass Patienten ihn überrascht ansehen, wenn er sie auf für sie typische Verhaltensweisen anspricht. Oft werden diese Verhaltensweisen als Belastung empfunden. Entsprechend groß ist die Erleichterung, ihre Ursache zu kennen. Meist können die Blutwerte schnell und einfach wieder ins Lot gebracht werden. Für die Patienten bedeutet das jedoch stets einen großen Gewinn an Lebensqualität. Und das ist für Alfredo Dumitrescu immer wieder eine große Motivation, genau hinzuhören, wenn das Blut ihm wieder mal die Geschichte eines Patienten erzählt.